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PKV im Alter: warum der Beitrag von morgen heute gebaut wird

Kaum ein Thema löst so viel Unruhe aus wie die Frage, was die private Krankenversicherung mit 70 kostet. Die Antwort ist unbequem und beruhigend zugleich: Der Beitrag steigt, aber die Größenordnung ist planbar, wenn man sie rechtzeitig einplant.

Von Phillip Peil2. Juni 202612 Min Lesezeit
PKV im Alter: warum der Beitrag von morgen heute gebaut wird

Wie ein PKV-Beitrag überhaupt entsteht

Ihr Beitrag besteht aus drei Bestandteilen. Dem Risikoanteil für die laufenden Leistungen Ihres Alters, dem Kostenanteil der Gesellschaft und der Alterungsrückstellung. Die Alterungsrückstellung ist der Teil, den viele übersehen. Sie zahlen von Anfang an mehr, als Ihr Alter kostet, und dieses Guthaben dämpft später den Beitrag. Deshalb steigt eine PKV nicht linear mit dem Alter, sondern in Sprüngen, wenn die Kalkulation angepasst wird.

Für Beamte kommt ein entscheidender Vorteil dazu. Sie versichern nur Ihren Restanteil nach Beihilfe. Wer zu 50 Prozent beihilfeberechtigt ist, versichert 50 Prozent. Steigt die Beihilfe im Ruhestand bei vielen Dienstherren auf 70 Prozent, sinkt der zu versichernde Anteil auf 30 Prozent. Genau in dem Moment, in dem das Einkommen fällt, sinkt also auch der Versicherungsanteil.

Was Beitragsanpassungen auslöst

  • Medizinischer Fortschritt. Neue Verfahren sind besser und teurer zugleich.
  • Steigende Lebenserwartung. Leistungen werden über mehr Jahre in Anspruch genommen.
  • Niedrige Kapitalmarktzinsen über längere Phasen. Die Alterungsrückstellung erwirtschaftet dann weniger.
  • Veränderte Leistungsausgaben im Tarifkollektiv, etwa durch veränderte Abrechnungsvorschriften.

Ein Versicherer darf den Beitrag nicht willkürlich erhöhen. Anpassungen erfolgen erst, wenn ein gesetzlich definierter Schwellenwert überschritten wird, und sie werden von einem unabhängigen Treuhänder geprüft. Der Effekt für Sie ist trotzdem spürbar: Es passiert selten, aber wenn es passiert, dann in größeren Schritten.

Die Beitragsentlastung: der wichtigste Baustein

Ein Beitragsentlastungstarif funktioniert wie ein zweckgebundener Sparvertrag innerhalb der Krankenversicherung. Sie zahlen heute einen zusätzlichen Betrag ein und senken damit ab einem definierten Alter, meist 65 oder 67, Ihren Beitrag dauerhaft. Ein Beispiel: Ein 32-jähriger Polizeikommissar zahlt zusätzlich 60 Euro im Monat und reduziert damit seinen Beitrag ab 65 um rund 200 Euro monatlich. Über 25 Ruhestandsjahre gerechnet ist das ein sechsstelliger Betrag.

Der Baustein wirkt umso stärker, je früher Sie ihn einbauen. Mit 30 kostet eine Entlastung von 200 Euro deutlich weniger als mit 50. Wer mit 58 daran denkt, kann meist nur noch einen kleinen Teil auffangen. Das ist der Grund, warum wir dieses Thema selbst bei 28-jährigen Anwärtern ansprechen, obwohl es sich für sie unendlich weit weg anfühlt.

Rechenbeispiel über die gesamte Laufzeit

Nehmen wir einen Regierungsrat, 34 Jahre alt, Beihilfesatz 50 Prozent, verheiratet, ein Kind. Sein Restkostentarif liegt bei etwa 340 Euro. Mit Beitragsentlastung zahlt er 405 Euro. Im Ruhestand steigt seine Beihilfe auf 70 Prozent, der zu versichernde Anteil sinkt entsprechend. Trotz Beitragsanpassungen über 30 Jahre landet er kalkulatorisch bei rund 390 Euro statt bei etwa 590 Euro ohne Entlastung. Er zahlt also im Ruhestand ungefähr das, was er heute zahlt.

Was Sie zusätzlich prüfen sollten

  • Die Beitragsanpassungs-Historie der Gesellschaft über 10 bis 20 Jahre. Sie sagt mehr aus als jeder Einstiegsbeitrag.
  • Ob Ihr Tarif eine Option auf Anpassung des Beihilfebemessungssatzes ohne erneute Gesundheitsprüfung enthält.
  • Ob ein Wechsel in einen leistungsgleichen Tarif derselben Gesellschaft möglich ist. Das ist Ihr gesetzliches Recht und der wirksamste Weg, später Beiträge zu optimieren.
  • Ob eine gesetzliche Beitragsentlastung im Alter, etwa über den Zuschlag nach Paragraf 149 VAG, bereits enthalten ist.

Der Punkt, an dem viele zu spät reagieren

Wer erst bei der ersten großen Anpassung reagiert, hat die besten Werkzeuge bereits verloren. Behandeln Sie Ihre PKV wie ein Bauwerk, das Sie über Jahrzehnte instand halten, nicht wie einen Vertrag, den Sie einmal abschließen und dann ablegen. Ein jährlicher Blick von 20 Minuten reicht in der Regel aus.

Das Wichtigste in Kürze
  • Im Ruhestand steigt die Beihilfe bei vielen Dienstherren auf 70 Prozent. Der zu versichernde Anteil sinkt entsprechend.
  • Beitragsentlastung ist der wirksamste Hebel und wird mit jedem Lebensjahr teurer.
  • Die Beitragsanpassungs-Historie einer Gesellschaft ist aussagekräftiger als der Einstiegsbeitrag.
  • Der Tarifwechsel innerhalb der eigenen Gesellschaft ist ein gesetzliches Recht und oft der beste Optimierungsweg.

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Häufige Fragen

Wird meine PKV im Alter unbezahlbar?+

Bei einer sauber kalkulierten Beamtenversicherung mit Beitragsentlastung in der Regel nicht. Durch die höhere Beihilfe im Ruhestand sinkt zusätzlich der zu versichernde Anteil. Kritisch wird es vor allem dann, wenn nie eine Entlastung eingebaut wurde.

Lohnt sich ein Beitragsentlastungstarif noch mit 50?+

Er wirkt, aber deutlich schwächer als mit 30. Ab etwa Mitte fünfzig prüfen wir meist zusätzlich, ob freies Kapital außerhalb der Versicherung die bessere Lösung ist, weil es flexibler bleibt.

Kann ich den Tarif wechseln, wenn der Beitrag zu hoch wird?+

Innerhalb Ihrer Gesellschaft haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf einen Wechsel in einen gleichartigen Tarif unter Anrechnung Ihrer Alterungsrückstellungen. Ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft ist nach vielen Jahren dagegen meist nicht mehr sinnvoll.

Was passiert mit meinen Alterungsrückstellungen bei einem Wechsel?+

Beim Wechsel innerhalb der eigenen Gesellschaft werden sie vollständig angerechnet. Beim Wechsel zu einem anderen Versicherer wird nur ein begrenzter Übertragungswert mitgenommen, der Rest verbleibt im Kollektiv.