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Freie Heilfürsorge

Freie Heilfürsorge: Wer Anspruch hat, nach Bundesland erklärt

Freie Heilfürsorge heißt: Der Dienstherr übernimmt Ihre medizinische Versorgung selbst, statt nur einen Teil der Kosten als Beihilfe zu erstatten. Viele halten sie für den Normalfall bei der Polizei. Tatsächlich regelt jedes Land sie anders, und in einigen Ländern gibt es sie nur in der Ausbildung oder gar nicht mehr. Diese Übersicht zeigt den Stand vom 15. Oktober 2026 für alle 16 Länder und den Bund.

Von Jens Kempf15. Oktober 202610 Min. Lesezeit

Redaktionell geprüft und freigegeben durch Jens Kempf. Bei der Texterstellung nutzen wir teilweise KI-Werkzeuge. Mehr zur KI-Transparenz

Freie Heilfürsorge: Wer Anspruch hat, nach Bundesland erklärt

Symbolbild, digital gestaltet.

Was freie Heilfürsorge bedeutet

Bei der freien Heilfürsorge erhalten Sie die medizinische Versorgung im Grundsatz als Sachleistung. Ärzte und Kliniken rechnen mit der Heilfürsorgestelle ab, Sie gehen nicht in Vorleistung. Bei der Beihilfe dagegen zahlen Sie die Rechnung, der Dienstherr erstattet einen Prozentsatz, und den Rest trägt Ihre private oder gesetzliche Krankenversicherung. Der Leistungsumfang der Heilfürsorge orientiert sich in mehreren Ländern am Fünften Buch Sozialgesetzbuch, beim Bund ausdrücklich nach § 70 BBesG.

Die Heilfürsorge gilt nur, solange Sie Dienst- oder Anwärterbezüge erhalten. Mit dem Ruhestand endet sie, und es greift die Beihilfe für Versorgungsempfänger. Für den Teil, den die Beihilfe nicht trägt, brauchen Sie dann eine private Krankenversicherung. Ohne Vorsorge müssen Sie dafür im Alter Gesundheitsfragen beantworten.

Freie Heilfürsorge in Bund und Ländern

Die folgende Übersicht nennt für jeden Dienstherrn, wer Anspruch hat. Grundlage sind die Landesbeamtengesetze, Besoldungsgesetze und Heilfürsorgeverordnungen in der Fassung, die wir am 15. Oktober 2026 abgerufen haben. Details mit Rechtsgrundlage finden Sie auf der jeweiligen Länderseite.

  • Baden-Württemberg: Polizeivollzugsdienst einschließlich Anwärter, Einsatzdienst der Feuerwehr und Justizvollzug auf eigene Wahl.
  • Bayern: Nur Bereitschaftspolizei in Ausbildung, Einsatzstufen und alle übrigen Polizisten während Einsätzen und Übungen im geschlossenen Verband.
  • Berlin: Nur Anwärter des mittleren Dienstes der Schutzpolizei und seit 1. Oktober 2026 Anwärter des mittleren feuerwehrtechnischen Dienstes.
  • Brandenburg: Alle Polizeivollzugsbeamten einschließlich Anwärter, mit Wahlrecht zur Beihilfe.
  • Bremen: Polizeivollzugsdienst und Berufsfeuerwehr.
  • Hamburg: Polizeivollzugsdienst einschließlich Anwärter, Feuerwehr und seit April 2026 Justizvollzug der Laufbahngruppe 1, mit Eigenbeitrag und Wahlrecht.
  • Hessen: Keine allgemeine freie Heilfürsorge mehr, nur Bestandsschutz für Polizeibeamte, die sie am 28. Februar 2014 erhielten.
  • Mecklenburg-Vorpommern: Polizeivollzugsdienst einschließlich Anwärter, Berufsfeuerwehren und Landesschule.
  • Niedersachsen: Polizeivollzugsdienst und Einsatzdienst der Feuerwehr, mit Eigenbeitrag und Verzichtsmöglichkeit.
  • Nordrhein-Westfalen: Polizeivollzugsdienst.
  • Rheinland-Pfalz: Nur noch Bestandsschutz für Polizeibeamte, die am 30. September 2017 heilfürsorgeberechtigt waren.
  • Saarland: Im Saarländischen Beamtengesetz keine Rechtsgrundlage für freie Heilfürsorge der Polizei gefunden.
  • Sachsen: Polizeivollzugsdienst, Feuerwehr und Justizvollzugsdienst.
  • Sachsen-Anhalt: Polizeivollzugsdienst und Einsatzdienst der Feuerwehr, jeweils einschließlich Anwärter.
  • Schleswig-Holstein: Polizeivollzugsdienst einschließlich Anwärter und Einsatzdienst der Feuerwehr, mit Eigenbeitrag und Wahlrecht.
  • Thüringen: Nur im Vorbereitungsdienst der Polizei und bei der Erstversorgung in Einsätzen geschlossener Einheiten.
  • Bund: Polizeivollzugsbeamte der Bundespolizei und beim Bundestag, Soldaten über die truppenärztliche Versorgung.

Wo Sie selbst etwas zahlen

Frei ist die Heilfürsorge nicht überall. In Niedersachsen werden monatlich 1,3 Prozent des Grundgehalts auf die Besoldung angerechnet, in Hamburg 1,4 Prozent und in Schleswig-Holstein 1 Prozent des Grundgehalts oder des Anwärtergrundbetrags. Baden-Württemberg, Bremen, Sachsen und Rheinland-Pfalz schließen eine Anrechnung ausdrücklich aus. Beim Bund gelten für Zuzahlungen die Regeln der gesetzlichen Krankenversicherung, in Sachsen-Anhalt fallen Zuzahlungen beim Leistungserbringer an. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind Zuzahlungen dagegen ausgeschlossen.

Wahlrecht: Heilfürsorge oder Beihilfe

Einige Länder lassen Ihnen die Wahl. In Brandenburg, Hamburg und Niedersachsen können Sie die Heilfürsorge ablehnen oder auf sie verzichten und erhalten dann Beihilfe. In Schleswig-Holstein ist die Ablehnung innerhalb von sechs Monaten nach Einstellung oder Versetzung möglich. In Baden-Württemberg erhalten Beamte im Justizvollzug Heilfürsorge nur, wenn sie das vor der Ernennung schriftlich erklären. In allen diesen Fällen ist die Entscheidung unwiderruflich.

Ob sich der Wechsel lohnt, hängt vor allem von Ihrer Familie und vom Ruhestand ab. Die Heilfürsorge gilt nur für Sie selbst, Angehörige sind nicht erfasst. Mit Beihilfe und privatem Restkostentarif haben Sie dagegen schon im aktiven Dienst den Vertrag, der Sie auch im Ruhestand trägt. Rechnen Sie beide Wege mit Ihren Zahlen durch, bevor Sie sich festlegen.

Was nicht oder nur begrenzt enthalten ist

Die Länder begrenzen vor allem Zahnersatz und Krankenhauswahlleistungen. In Baden-Württemberg und Sachsen gibt es für Zahnersatz Festzuschüsse in Höhe von 100 Prozent der Regelversorgung, in Nordrhein-Westfalen bei höherwertigem Zahnersatz den doppelten Festzuschuss, Mehrkosten tragen Sie selbst. Hamburg und Sachsen schließen Wahlleistungen im Krankenhaus wie Chefarztbehandlung ausdrücklich aus. Für solche Lücken gibt es private Ergänzungstarife, die auf Heilfürsorge abgestimmt sind.

Anwartschaft für den Ruhestand

Eine Anwartschaftsversicherung sichert während der Heilfürsorge Ihr Recht, später ohne neue Gesundheitsprüfung in einen privaten Restkostentarif zu wechseln. Sie kostet in der aktiven Zeit deutlich weniger als eine volle Versicherung. Besonders wichtig ist sie dort, wo die Heilfürsorge früh endet, etwa in Bayern, Berlin und Thüringen schon mit der Ausbildung. Wer in einem Land ohne Heilfürsorge beginnt, etwa in Hessen oder Rheinland-Pfalz, braucht den Restkostentarif dagegen ab dem ersten Diensttag.

Das Wichtigste in Kürze
  • Freie Heilfürsorge ist Ländersache und in jedem Land anders geregelt.
  • In Bayern, Berlin und Thüringen gilt sie nur in Ausbildung oder bestimmten Einsätzen, in Hessen und Rheinland-Pfalz nur noch als Bestandsschutz.
  • Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein rechnen einen Eigenbeitrag auf die Besoldung an.
  • In mehreren Ländern können Sie unwiderruflich in die Beihilfe wechseln.
  • Mit dem Ruhestand endet die Heilfürsorge überall, eine Anwartschaft sichert den Übergang.

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Häufige Fragen

Haben alle Polizisten freie Heilfürsorge?+

Nein. In Bayern gilt sie nur für die Bereitschaftspolizei in Ausbildung und bei Einsätzen im geschlossenen Verband, in Berlin und Thüringen nur in der Ausbildung, in Hessen und Rheinland-Pfalz nur noch als Bestandsschutz. In den meisten anderen Ländern und bei der Bundespolizei erhalten alle Polizeivollzugsbeamten Heilfürsorge.

Bekommt die Feuerwehr freie Heilfürsorge?+

In mehreren Ländern ja, etwa in Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, meist für den Einsatzdienst. In Hessen entscheiden die Gemeinden für Beamte auf Probe, in Berlin gilt sie für Anwärter des mittleren feuerwehrtechnischen Dienstes.

Muss ich für die Heilfürsorge etwas bezahlen?+

In Niedersachsen werden 1,3 Prozent, in Hamburg 1,4 Prozent und in Schleswig-Holstein 1 Prozent des Grundgehalts auf die Besoldung angerechnet. Andere Länder wie Baden-Württemberg, Bremen und Sachsen rechnen nichts an.

Gilt die Heilfürsorge auch für Familienangehörige?+

Nein. Die Heilfürsorge gilt für die berechtigte Person selbst. Angehörige können in der Beihilfe berücksichtigungsfähig sein und brauchen eine eigene Krankenversicherung.

Was passiert mit der Heilfürsorge im Ruhestand?+

Sie endet mit den Dienstbezügen. Danach gilt die Beihilfe für Versorgungsempfänger, für den Rest brauchen Sie eine private Krankenversicherung. In Schleswig-Holstein kann eine laufende Behandlung bis zu zwei Monate weiter über die Heilfürsorge laufen.

Haben Soldaten und Bundespolizisten Heilfürsorge?+

Ja. Polizeivollzugsbeamte der Bundespolizei erhalten Heilfürsorge nach § 70 BBesG, Soldaten die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung nach § 69a BBesG.