Die Beamtenberater
Zurück zum BlogPension

Pensionslücke berechnen: was von A13 im Ruhestand wirklich bleibt

Fast jeder Beamte, der bei uns am Tisch sitzt, hat eine Zahl im Kopf. Meistens ist es eine Prozentzahl, die er irgendwann einmal gehört hat. Und fast immer liegt die Zahl über dem, was am Ende tatsächlich auf dem Konto ankommt. Nicht weil die Pension schlecht wäre, sondern weil sie anders funktioniert, als die meisten annehmen.

Von Jens Kempf16. Juni 202613 Min Lesezeit
Pensionslücke berechnen: was von A13 im Ruhestand wirklich bleibt

Warum die Pension sich vollständiger anfühlt, als sie ist

Die Beamtenversorgung ist eines der stabilsten Versorgungssysteme, die es in Deutschland gibt. Genau diese Stabilität sorgt dafür, dass viele sie nie nachrechnen. Sie ist da, sie kommt, sie ist sicher. Der Denkfehler liegt nicht in der Sicherheit, sondern in der Höhe. Der Höchstsatz der Versorgung liegt bei 71,75 Prozent der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge. Nicht des heutigen Nettos, nicht des Bruttos inklusive Zulagen, sondern der ruhegehaltfähigen Bezüge. Das ist ein spürbarer Unterschied.

Diesen Höchstsatz erreichen Sie erst nach 40 anrechenbaren Dienstjahren. Pro Jahr werden 1,79375 Prozent aufgebaut. Wer mit 27 nach Studium und Referendariat in den Dienst kommt und mit 65 in den Ruhestand geht, kommt auf 38 Jahre. Das sind gerundet 68 Prozent. Wer dazwischen drei Jahre Elternzeit ohne Anrechnung oder eine längere Teilzeitphase hatte, landet schnell bei 60 bis 64 Prozent.

Rechenbeispiel: Studienrätin A13, 38 Dienstjahre

Nehmen wir eine Studienrätin, Endstufe A13, ruhegehaltfähige Bezüge von rund 5.900 Euro brutto im Monat. Bei 38 anrechenbaren Jahren ergibt sich ein Ruhegehaltssatz von 68,16 Prozent. Das sind etwa 4.021 Euro Bruttoversorgung. Vom letzten aktiven Brutto fehlen damit rund 1.880 Euro. Auf den Monat gerechnet klingt das abstrakt. Auf 25 Jahre Ruhestand gerechnet sind es über 560.000 Euro Unterschied gegenüber dem aktiven Bezug.

Wichtig: Diese Bruttoversorgung ist voll steuerpflichtig. Und sie kommt in einer Lebensphase, in der zwei Kostenblöcke oft nicht sinken. Der Krankenversicherungsbeitrag bleibt bestehen, wenn auch mit höherer Beihilfe, und die Pflegebedürftigkeit ist statistisch näher als mit 45.

Die drei Faktoren, die Ihren Ruhegehaltssatz drücken

  • Später Diensteintritt. Wer nach Studium, Promotion oder Berufserfahrung in der freien Wirtschaft mit 33 verbeamtet wird, erreicht die 40 Jahre rechnerisch nicht mehr.
  • Teilzeit. Teilzeitjahre werden anteilig angerechnet. Zehn Jahre halbe Stelle zählen wie fünf volle Jahre.
  • Beurlaubung ohne Dienstbezüge. Diese Zeiten fallen in der Regel komplett aus der Berechnung heraus, sofern kein dienstliches Interesse anerkannt wurde.

Dazu kommt der Versorgungsabschlag bei vorzeitigem Ruhestand. Pro Jahr, das Sie vor der gesetzlichen Altersgrenze gehen, werden 3,6 Prozent abgezogen, gedeckelt bei 10,8 Prozent. Wer mit 62 statt mit 65 geht, verliert damit rund ein Zehntel seiner Versorgung, und zwar dauerhaft.

So beziffern Sie Ihre Lücke in 20 Minuten

  • Schritt eins: Ihre voraussichtlichen ruhegehaltfähigen Bezüge in der Endstufe ermitteln. Grundgehalt plus Familienzuschlag, ohne die meisten Zulagen.
  • Schritt zwei: anrechenbare Dienstjahre bis zur Altersgrenze zählen und mit 1,79375 multiplizieren.
  • Schritt drei: Bezüge mit dem Ruhegehaltssatz multiplizieren. Das ist Ihre Bruttoversorgung.
  • Schritt vier: Ihren heutigen Lebensstandard gegenrechnen und die Differenz notieren. Diese Differenz ist Ihre Lücke.

Wenn Sie es genauer wollen: Bei den meisten Dienstherren können Sie eine Versorgungsauskunft beantragen. Sie ist unverbindlich, aber sie ist die belastbarste Zahl, die es gibt. Beantragen Sie diese Auskunft nicht mit 60, sondern deutlich früher. Denn nur früh haben Sie noch Handlungsspielraum.

Was gegen die Lücke wirklich hilft

Es gibt keine Wunderlösung, es gibt Handwerk. Der wirksamste Hebel ist Zeit. Wer mit 30 anfängt, monatlich 200 Euro zurückzulegen, hat bei einer angenommenen Rendite von 5 Prozent zum 65. Lebensjahr rund 227.000 Euro angespart. Wer mit 45 anfängt, kommt mit demselben Betrag auf etwa 89.000 Euro. Der Unterschied ist nicht die Disziplin. Der Unterschied sind 15 Jahre.

Der zweite Hebel ist die Struktur. Ein Beamter braucht in der Regel keine Rürup-Konstruktion mit hoher Verrentungspflicht und wenig Flexibilität. Er braucht Bausteine, die im Ruhestand Liquidität liefern und die er in einer Teilzeitphase auch mal ruhen lassen kann. Und er sollte prüfen, ob die vermögenswirksamen Leistungen seines Dienstherrn überhaupt abgerufen werden.

Der häufigste Fehler in der Praxis

Viele rechnen die Pension gegen das heutige Netto und sind beruhigt, weil die Zahlen ähnlich aussehen. Das ist ein Trugschluss, weil die Bruttoversorgung voll versteuert wird und weil im Ruhestand keine Beförderung mehr kommt. Rechnen Sie brutto gegen brutto und ziehen Sie danach Ihre Steuerlast ab. Erst dann sehen Sie die Zahl, mit der Sie 20 bis 30 Jahre leben werden.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Höchstsatz von 71,75 Prozent gilt erst nach 40 anrechenbaren Dienstjahren. Die meisten erreichen ihn nicht.
  • Teilzeit, später Eintritt und Beurlaubung senken den Ruhegehaltssatz dauerhaft.
  • Vorzeitiger Ruhestand kostet 3,6 Prozent pro Jahr, maximal 10,8 Prozent.
  • Rechnen Sie brutto gegen brutto und beantragen Sie die Versorgungsauskunft früh genug, um noch reagieren zu können.

Sie wollen das auf Ihre Situation übersetzt haben?

In einem kostenlosen Erstgespräch ordnen wir Ihre Lage ein und zeigen Ihnen, was für Sie wirklich sinnvoll ist.

Mehr zum Thema

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Pension eines Beamten im Durchschnitt?+

Der Ruhegehaltssatz liegt bei den meisten Beamten zwischen 60 und 70 Prozent der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge. Der gesetzliche Höchstsatz von 71,75 Prozent wird nur mit 40 anrechenbaren Dienstjahren erreicht.

Zählt das Studium als ruhegehaltfähige Dienstzeit?+

Eine für die Laufbahn vorgeschriebene Hochschulausbildung kann in engen Grenzen anerkannt werden, in der Regel bis zu 855 Tage. Der Umfang unterscheidet sich je nach Dienstherr und Laufbahn, weshalb sich hier eine individuelle Prüfung lohnt.

Wird die Pension besteuert?+

Ja. Die Versorgungsbezüge sind steuerpflichtige Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Es gibt einen Versorgungsfreibetrag, der jedoch jahrgangsabhängig abgeschmolzen wird.

Wann sollte ich mit dem Aufbau gegen die Lücke beginnen?+

So früh wie möglich. Der Zinseszinseffekt ist der stärkste Hebel, den Sie haben. Zwischen einem Start mit 30 und einem Start mit 45 liegen bei gleicher Sparrate leicht 130.000 Euro Unterschied.